August 2018 | Spartacus Traveler – Einst protestierten die Bürger Neuenglands gegen das englische Weltreich und gingen so den entscheidenden Schritt zur Unabhängigkeit der USA. Und noch heute kann man bei einer Rundreise durch die nordöstlichen Bundesstaaten überall interessante Charaktere kennenlernen – besonders in kleineren Städten.

Quizfrage: Wie viele Städte auf der Welt mit weniger als 5.000 Einwohnern erfüllen alle folgenden Punkte? Es finden pro Jahr mindestens zwanzig Events speziell für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle statt. Es werden gleich in mehreren Bars schwule Pornofilme gezeigt. Der Ort hat in der queeren Community einen Ruf wie Donnerhall, und zwar über die Kontinente hinweg. Stimmt, nicht viele Kandidaten können hier mithalten! Aber Provincetown in Massachusetts an der amerikanischen Ostküste gehört definitiv dazu.

Das Städtchen ist der optimale Ausgangspunkt für eine Rundreise durch die nordöstlichen Bundesstaaten. Nicht nur, weil Provincetown ein schwuler Hotspot ist, sondern auch, weil hier die Geschichte Neuenglands begann. Denn an die sandige Küste der Halbinsel Cape Cod wurde im Jahr 1620 das englische Segelschiff Mayflower getrieben. Stürme hatten es vom Kurs abgebracht. Eigentlich wollten die Passagiere viel weiter südlich an Land gehen, in Virginia. Aber da sie nun schon einmal hier waren, entschlossen sie sich kurzerhand, eine weitere Kolonie zu gründen, aus der später Massachusetts hervorgehen sollte. Deren Bewohner sollten ihrem König später noch viel Ärger bereiten. Denn in und um die Hauptstadt Boston nahm die Unabhängigkeitsbewegung der USA ihren Lauf. Die Ideen von Selbstständigkeit und Tatkraft inspirieren die Einwohner bis heute – und finden sich als stolze Losung „Spirit of America“ sogar auf ihren Nummernschildern. (…)

Erschienen in Spartacus Traveler 2018/2.