September 2019 | G/Geschichte – Weltweit lebten Ende 2018 rund 38 Millionen Menschen mit HIV. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ausgerechnet der medizinische Fortschritt entscheidend dazu beitrug, das Virus zu verbreiten.

Foto der ersten Seite des Artikels "Der Ursprung von AIDS" in G/Geschichte 10/2019

Es war eine schreckliche Tragödie, die die norwegische Familie aus Vater, Mutter und drei Töchtern Ende der 1970er-Jahre heimsuchte. Erst starb im Jahr 1976 der Familienvater an einer unerklärlichen Lungenkrankheit. Nur neun Monate später verschied seine Ehefrau, offenbar an einer seltenen Form von Leukämie. Und auch die jüngste Tochter wurde krank. Ihr Körper bekam eine besonders schwere Form der Windpocken nicht in den Griff. Sie starb im selben Jahr wie ihre Eltern. Nur die beiden älteren Töchter überlebten.

Ärzte standen dem Familiendrama hilflos gegenüber. Medikamente schlugen nicht an, die Ursache der Krankheiten blieb ihnen ein Rätsel. Das Krankenhaus lagerte jedoch Blut- und Gewebeproben ein. Mehr als ein Jahrzehnt später, im Jahr 1988, testeten Wissenschaftler diese Proben auf ein Virus, das kurz zuvor entdeckt wurde: das „Human Immunodeficiency Virus“, kurz HIV. Tatsächlich wurden sie fündig, wie die Mikrobiologin Dorothy Crawford von der Universität Edinburgh berichtet, die sich mit der Geschichte von HIV befasst hat. Die norwegische Familie gilt damit als eine der ersten, die dem Virus in Europa zum Opfer fielen – und das fünf Jahre, bevor die ersten Fälle von Aids, der Krankheit, die das Virus auslöst, in den USA erstmal erkannt worden waren. (…)

Erschienen im September 2019 in G/Geschichte Ausgabe 10/2019.