Februar 2020 | G/Geschichte – König Karl VII. steht mit dem Rücken zur Wand. Englische Truppen beherrschen einen großen Teil seines Landes. Doch ausgerechnet das Bauernmädchen Jeanne d’Arc bringt die Kriegswende. Woher rührt ihre Überzeugungskraft?

Als Karl VII. am 17. Juli 1429 in Reims geweiht wird, hat eine feierliche Stimmung die Stadt ergriffen. Vor zahlreichen Ehrengästen salbt der Erzbischof den Herrscher in der alten Kathedrale und setzt ihm die Krone auf – ganz wie es die Tradition erfordert. Dabei schien es noch ein paar Monate zuvor völlig undenkbar, dass Karl in absehbarer Zeit jemals nach Reims kommen könnte. Denn in Frankreich tobt der Krieg, und Reims steht unter der Kontrolle von Karls Feinden – den Burgundern und den mit ihnen verbündeten Engländern. Dass die Königsweihe trotzdem möglich wurde, ist einer Frau zu verdanken. Stolz steht sie jetzt in der Nähe des Königs am Hochaltar, in der Hand hält sie ihre Standarte: Jeanne d’Arc, auch bekannt als Johanna von Orléans.

In unzähligen Romanen und Filmen wurde seither die Geschichte dieses außergewöhnlichen Bauernmädchens erzählt, das weder lesen noch schreiben konnte, niemals Zugang zu höherer Bildung hatte. Und das sich dennoch im Alter von etwa 17 Jahren mit Königen beriet, mit Bischöfen diskutierte, Kriegern Befehle gab und in mehreren Schlachten Burgunder und Engländer besiegte. Wie gelang ihr das? (…)

Erschienen im Februar 2020 in G/Geschichte 3/2020: Das Duell der Könige. Der Hundertjährige Krieg (€).