August 2025 | Leibniz-Magazin – In Mailuu-Suu förderte die sowjetische Nuklearindustrie tausende Tonnen Uran. Die Hinterlassenschaften belasten die Stadt bis heute.

Elf Jahre lang, zwischen 1950 und 1961, arbeitete der Bergmann Rufat Agzamovich Khasanov unter den im Sommer blutrot leuchtenden Hügeln rund um die kirgisische Stadt Mailuu-Suu. Aus dem Untergrund gewannen er und seine Kollegen ein äußerst wertvolles Material. Ihre Arbeit trug dazu bei, in Städten und Dörfern Lichter leuchten, Straßenbahnen rattern und Maschinen arbeiten zu lassen. Das Material diente auch dazu, der Sowjetunion im Kalten Krieg ihren Platz als eine von zwei globalen Supermächten zu sichern: Es fand in sowjetischen Atombomben Verwendung.
Allein der Name des Materials, das Agzamovich damals aus der Erde holte, kam ihm bis zu seinem Tod nicht über die Lippen. Statt von Uran sprach er lieber von Albit, von Wismut oder am liebsten einfach von »Erz«. Denn damals, als er noch Bergmann war, war es strengstens verboten, irgendjemandem vom Uranbergbau in Mailuu-Suu zu berichten. (…)
Erschienen im Leibniz-Magazin.